Die andere Gruppe orientierte sich an den damals vereinzelt zu sehenden kleinen und ungesteuert freifliegenden Helis mit auf dem Rotor montierten 0,5ccm-Motor mit Propeller, die den Rotor durch sein Gegendrehmoment antrieb. Beiden Gruppen war gemeinsam, daß es keine brauchbaren Erfahrungswerte gab. Was beispielsweise darf ein Heli eigentlich wiegen, was schafft ein damals üblicher 10ccm-Motor, wie groß darf oder kann ein Rotor sein, wie macht man Rotorblätter, wie groß dürfen die sein, welches Profil, wie viele Rotorblätter? Wie macht man ein Getriebe, welche Untersetzung, was ist mit einem Heckrotor, wo bekommt man Kugelgelenke her, welche Steuerkräfte treten überhaupt auf, schaffen das die Servos überhaupt ??? Nur durch ständiges experimentieren und logisches Weiterentwickeln kam man da voran. Bei meinen Versuchen ergab sich nach und nach ein Rotordurchmesser von etwa 1,6 bis 1,7 Metern Durchmesser, Zweiblattrotor mit Steuerung nach System BELL, 55 bis 60mm Rotorblattbreite, etwa 1.200 Rotorumdrehungen pro Minute, Getriebeuntersetzung etwa 1:9 zum Hauptrotor, 10ccm-Motor, Heli-Gewicht so um die 4,5 Kg. Damit gab es die ersten Hüpfer, das schien richtig zu sein. Aber ..... Sobald der Heli sich auch nur etwas vom Boden erhob, begann er sich um die Hochachse zu drehen und alles war zu spät. Das Gegendrehmoment des Hauptrotors war einfach nicht in den Griff zu bekommen und so lange es nicht gelang, den Heli auf Kurs zu halten, war es unmöglich, den Hauptrotor zu steuern. Also ignorierte ich zunehmend bei den Flugversuchen die kollektive Blattverstellung und damit das BELL-System und steuerte den Auftrieb fast nur noch durch eine Veränderung der Rotordrehzahl. Analog dazu änderte zwangsläufig der Heckrotor ebenfalls seine Drehzahl und das ergab, bei guter Abstimmung, einen fast perfekten Ausgleich des Drehmomentes. Das klappte (Ende 1969) auf Anhieb! Sofort konnte ich mich auf die Hauptrotorsteuerung konzentrieren und kontinuierlich kleine Modifikationen vornehmen und von Versuch zu Versuch lernte ich dazu und merkte, dass ein ferngelenkter Modellhubschrauber sicher Wirklichkeit werden wird. Im Verlauf der verschiedenen Versuche montierte ich an die Stabilisierungsstange
mit der BELL-Steuerung statt der einfachen runden Gewichte etwa gleich schwere
kleine Steuerflügel wie sie vom System HILLER her bekannt waren. Die
Flügel wurden einzeln (ebenfalls wie bei HILLER) von der Taumelscheibe
zyklisch bewegt. Damit steuerten die Flügel direkt die Stabilisierungsstange
in eine jeweils gewünschte Lage. Als ich merkte,
dass das Heben/Senken mit Drehzahlregelung bestens funktioniert und ich
die kollektive Blattverstellung fast nie nutzte, vereinfachte ich die ganze
Steuerung. Ich verzichtete stufenweise völlig auf das nicht mehr zwingend
notwendige BELL-System mit der dazu notwendigen kollektiven Blattverstellung
und steuerte die Hauptrotorblätter direkt über die Stabilisierungsstange
an. Zum Steuern diente zum Ende dieser Reduzierungen
nur noch eine Diese durchgehende Stabilisierungsstange hatte den Vorteil, dass die Steuerflügel jetzt nicht mehr getrennt sondern gemeinsam durch Verdrehen der Stange gesteuert wurden. Das ergab eine erhebliche Vereinfachung der Konstruktion und dazu einen natürlichen Gewichtsausgleich zwischen den Steuerflügeln. Dann ließ ich die Verstellung der Hauptrotorblätter ganz weg und montierte sie mit einem konstanten Anstellwinkel direkt an einer gemeinsamen, sogenannten "Wippe". Diese "Wippe" ihrerseits wurde direkt von der durchgehenden Stabistange gesteuert.Das war die Grundlage für die verblüffend einfache Mechanik meines weltweit ersten wirklich steuerbaren RC-Hubschraubers Anfang 1970 und meiner Patentanmeldung im September 1970. Erst einige Jahre später, als allgemein mehr Flugerfahrung vorhanden war, die Ansprüche an die Steuerbarkeit größer wurden und das Drehmoment (durch mechanischen Ausgleich und Heckrotorkreisel) einigermaßen beherrschbar wurde setzte ich wieder die kollektive Blattverstellung und die Mischung meiner inzwischen ausgereiften einfachen Steuerung mit dem BELL-System ein. Was war denn nun die Lösung und der eigentliche Durchbruch ? Eigentlich (kann man hinterher immer sagen) ganz simpel: Die Lösung war: Also, Zu allem kam dann noch eine tüchtige Portion Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. |