Interview mit Dieter Schlüter
dem Erfinder des Modellhubschraubers Wir haben uns mit Dieter Schlüter, dem Erfinder
des ferngelenkten Modellhubschraubers unterhalten. Wie kam er auf die Idee?
Wer ist er überhaupt? Warum wurde es plötzlich so still um ihn?
Wie steht er zu den Turbinenbetriebenen Modellhubschraubern? Wo sieht er
die Trends der Zukunft? Fragen über Fragen. Doch lesen Sie selbst: actuell.: Eine persönliche
Frage gleich zu Beginn: Der Name Dieter Schlüter ist eng mit dem Modellhubschrauber
verbunden. Wer sich für dieses Metier interessiert, kennt Sie. Nur,
die Person Dieter Schlüter, kennen die Wenigsten. Wer sind Sie also,
wer ist Dieter Schlüter? Dieter Schlüter: actuell.: Herr Schlüter, Sie gelten
als der Erfinder des Modellhubschraubers. Wie kamen Sie auf diese Idee und
welche Schwierigkeiten gab es zu Beginn zu überwinden? Dieter Schlüter: Michhatte 1968 der Helivirus gepackt. Ich baute bei Großflugzeugen
bekannte Systeme nach aber nichts funktionierte. Alles war zu aufwendig,
völliges Neuland und es gab keine Erfahrungswerte. Erst als ich anfing
alles zu vereinfachen stellten sich Erfolge ein. Von Versuch zu Versuch lernte
ich dazu, verbesserte die Technik und im Januar 1970 konnte ich die ersten
kontrollierten Flüge machen.Im Juni 1970 habe
ich dann zwei Weltrekorde mit 28 Minuten Flugzeit und 11,5 Km Strecke geflogen.
Das sprach sich natürlich weltweit schnell herum. Mein Modell „Huey
Cobra“ flog prima, die von mir entwickelte Mechanik war ideal einfach, modellbaugerecht,
gut zu erweitern und nachzubauen und so wurde ich zum Erfinder des Modellhubschraubers. actuell.: Sie haben ihre Firma Mitte 1986
an robbe verkauft. Dann wurde es ziemlich still um Sie. Warum? Dieter Schlüter: Ich hatte Anfang
der siebziger Jahre verschiedene Patente angemeldet. Weltweit konnte ich
Lizenzen verkaufen aber mir war klar, dass meine Vorrangstellung nach Ablauf
der Schutzrechte vorbei sein würde. Also habe ich das Kaufangebot von
robbe damals nicht ungern angenommen. Ich wurde für drei Jahre Berater
für robbe und durfte acht Jahre nicht im Modellbau aktiv und Konkurrent
werden. So kam es, dass man mich mehr auf meinem Boot als auf Modellflugplätzen
sah. actuell.: Wie sehen Sie den Trend zu elektro- und
turbinenbetriebenen Modellhubschraubern? Dieter Schlüter: Die Entwicklung
des Elektroantriebs sehe ich sehr positiv. Der E-Antrieb ist sauber, leise
und relativ unkritisch. Die Technik wird immer besser werden, die Flugzeiten
mit einer Akkufüllung immer länger und ich bin überzeigt,
dass sich da noch einiges tun wird, auch in preislicher Hinsicht. – Auch
beim Turbinenantrieb wird das so sein wobei ich im Moment noch nicht sehen
kann, dass die Turbine den bekannten Kolbenmotor in absehbarer Zeit ersetzen
wird. Aber wer kann das heute schon sagen? Tatsache ist, dass ein Turbinenantrieb
ungeheuer reizvoll ist und das allein macht schon die Musik. actuell.: Was glauben Sie, wie wird der Modellhubschrauber
der Zukunft aussehen. Wohin geht der Trend ihrer Meinung nach? Dieter Schlüter: Generell bin
ich ein technisch sehr aufgeschlossener Mensch und davon überzeigt, dass
jede Entwicklung weiter geht. Aber wohin? Der heutige Hubschrauber fliegt
perfekt und die Technik ist bis ins Detail ausgereizt. Die durchgehende
Stabilisierungsstange mit Steuerflügeln, der Kern meiner damaligen
Erfindung, ist heute immer noch Standard genau so wie die von mir als für
den Modellbau als optimal entdeckte Mischung mit dem Bell-System. Sollte
sich das nach nunmehr 30 Jahren grundlegend ändern? Die Elektronik
wird sich weiter entwickeln, speziell die Fluglagenregelung und Stabilisierung.
Fantastisch sind die Scale-Modelle. Hier kann man sich tummeln. Die werden
immer perfekter und sicher auch größer werden. Aber wo bleiben
die wirklichen Innovationen, die Senkrechtstarter, die Fliegenden Untertassen? actuell.: Was sind Ihre persönlichen
Ziele? Dieter Schlüter: Gesund und im
Kopf klar bleiben, das Leben genießen, Reisen machen, meine Enkel groß
werden sehen, ein wenig konstruieren und mit Technik befassen, die Entwicklungen
verfolgen und meinen Senf dazu geben. Oder überhaupt ganz einfach ein
zufriedener Mensch bleiben. |